Gastbeitrag von Jens Klabunde, Fachautor für Homeoffice-Ergonomie und Betreiber von Homeoffice Hero
Klassenarbeiten liegen auf der einen Tischhälfte, daneben Laptop, Erwartungshorizont und Stifte. Später soll am selben Tisch gegessen werden. Wer Vor- oder Nachbereitung zu Hause erledigt, aber kein eigenes Arbeitszimmer hat, braucht deshalb keinen Aufbau, der dauerhaft stehen bleibt.
Unterrichtsvorbereitung und die Korrektur von Leistungsnachweisen gehören zu den Aufgaben, die Lehrkräfte außerhalb des eigentlichen Unterrichts erledigen.[1] Wird dafür der Esstisch genutzt, sollte er für die jeweilige Aufgabe schnell funktionieren und sich danach ebenso einfach wieder in Wohnraum zurückverwandeln lassen.

Ein temporärer Arbeitsplatz folgt der Aufgabe
Viele Empfehlungen für klassische Homeoffices setzen einen festen Schreibtisch, einen dauerhaft aufgestellten Monitor und zusätzliche Ablageflächen voraus. Am Esstisch müssen Arbeitsmittel dagegen mit Geschirr, Familienalltag und privaten Dingen dieselbe Fläche teilen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wie bekomme ich ein komplettes Büro in diesen Raum? Sondern: Was brauche ich für die Aufgabe, die ich jetzt erledige, und wo kommt alles anschließend hin?
Beim Korrigieren von Papierarbeiten sieht ein brauchbarer Aufbau anders aus als bei zwei Stunden digitaler Unterrichtsvorbereitung. Der Arbeitsplatz darf sich deshalb mit der Tätigkeit verändern.
Arbeitsfläche passend einteilen
Laptop, Maus, Klassenarbeiten, Lösungsblätter, Notizbuch und Stifte machen selbst einen großen Esstisch schnell eng. Bevor zusätzliche Ausstattung dazukommt, sollte deshalb freie Fläche entstehen.
Für eine Korrekturrunde kann eine einfache Aufteilung reichen:
- noch nicht bearbeitete Arbeiten auf einer Seite,
- das aktuelle Blatt und den Erwartungshorizont in der gut erreichbaren Mitte,
- fertige Arbeiten an einem klar getrennten Platz.
Wird der Laptop nur gelegentlich gebraucht, muss er nicht automatisch die beste Fläche in der Tischmitte besetzen. Bei längerer Bildschirmarbeit gilt die umgekehrte Priorität. Dann sollten Bildschirm, Tastatur und Maus so stehen, dass Unterlagen nicht ständig darübergeschoben werden müssen. Die BAuA empfiehlt bei gestaltbaren Bildschirmarbeitsplätzen unter anderem, Tastatur und Maus günstig erreichbar anzuordnen.[2]
Daraus folgt keine universelle Zentimeterregel für jeden Esstisch. Die Tätigkeit, die den größten Teil der Arbeitszeit beansprucht, bekommt den besten Platz.
Papier und Bildschirm sinnvoll anordnen
Lehrkräfte arbeiten häufig mit einer Mischung aus Papier und digitalen Materialien. Gerade diese Kombination macht einen kleinen oder mehrfach genutzten Tisch schnell unübersichtlich.
Wenn Papier im Mittelpunkt steht
Die aktuelle Klassenarbeit oder das Arbeitsblatt sollte so liegen, dass es ohne ständiges Drehen oder weites Vorbeugen gelesen und bearbeitet werden kann. Erwartungshorizont oder Notizen können daneben liegen. Noch nicht bearbeitete und bereits fertige Unterlagen bleiben getrennt, damit nicht nach jedem Blatt neu sortiert werden muss.
Wenn der Laptop im Mittelpunkt steht
Bei längerer digitaler Vorbereitung sollte der Bildschirm möglichst frontal stehen. Eine dauerhaft seitliche Position führt dazu, dass Kopf und Oberkörper häufig gedreht werden. Die BAuA empfiehlt für gut gestaltbare Arbeitsorte außerdem, die oberste Bildschirmzeile unterhalb der Augenhöhe anzuordnen und Eingabegeräte physiologisch günstig zu platzieren.[2]
Beim Notebook entsteht ein konstruktiver Zielkonflikt: Bildschirm und Tastatur sind fest miteinander verbunden. Wird das Gerät erhöht, wandert die Tastatur mit nach oben. Bleibt es flach auf dem Tisch, bleibt auch der Bildschirm niedrig. Für längere stationäre Notebook-Nutzung nennt die BAuA deshalb eine separate Tastatur und Maus als sinnvoll; ein größerer separater Bildschirm kann ebenfalls Vorteile bieten.[3]
Das bedeutet nicht, dass für jeden Korrekturabend ein Monitor aufgebaut werden muss. Wer überwiegend auf Papier arbeitet und den Laptop nur kurz nutzt, hat andere Anforderungen als jemand, der mehrere Stunden Texte, Präsentationen oder digitale Unterrichtsmaterialien bearbeitet.
Unterlagen nach der Arbeit sicher verstauen
Ein temporärer Arbeitsplatz funktioniert nur, wenn das Aufräumen nicht jeden Abend zu einem eigenen Projekt wird. Kleine Arbeitsmittel wie Maus, Ladegerät, Stifte und Notizmaterial können gemeinsam in einer Schublade, einem Regalfach oder einer geschlossenen Box aufbewahrt werden. Entscheidend ist weniger das Behältnis als ein fester Platz in der Nähe.
Für schulische Unterlagen gilt zusätzlich: Personenbezogene oder vertrauliche Dokumente sollten nicht offen im Wohnraum liegen bleiben. Maßgeblich sind die Datenschutz- und Aufbewahrungsregeln der jeweiligen Schule beziehungsweise des Bundeslands. Dieser Beitrag ersetzt keine schul- oder datenschutzrechtliche Vorgabe.
Ein einfacher Grundsatz hilft: Alles, was zum Arbeiten aufgebaut wird, bekommt schon vor Arbeitsbeginn einen festgelegten Platz für danach.
Beleuchtung ohne störende Blendung
Ein Esstisch wird normalerweise fürs Wohnen und Essen beleuchtet, nicht für längere Bildschirm- oder Papierarbeit. Deshalb lohnt sich ein Blick auf den tatsächlichen Platz zu den Tageszeiten, an denen dort gearbeitet wird.
Die BAuA empfiehlt für gut gestaltbare Homeoffice-Arbeitsorte eine gute Tageslichtversorgung und möglichst seitlich einfallendes Tageslicht. Blendungen und störende Reflexionen auf dem Bildschirm sollen vermieden werden.[2]
Steht der Laptop direkt vor einem sehr hellen Fenster, können große Helligkeitsunterschiede entstehen. Befindet sich das Fenster direkt im Rücken, können Reflexionen auf dem Bildschirm stören. Oft lässt sich die Situation schon durch eine andere Bildschirm- oder Sitzposition verbessern.
Am Abend ist eine ausreichende Raumbeleuchtung sinnvoll. Dafür braucht es nicht automatisch eine spezielle Homeoffice-Lampe. Zuerst kann geprüft werden, ob vorhandene Leuchten anders positioniert werden können und aus welcher Richtung das Licht auf Unterlagen und Bildschirm fällt.
Den Rückbau von Anfang an mitplanen
Im eigenen Arbeitszimmer kann am Ende des Tages die Tür geschlossen werden. Am Esstisch gehört der Rückbau genauso zur Planung wie der Aufbau. Er sollte so einfach sein, dass er im Alltag tatsächlich funktioniert:
- Offene Aufgaben oder den nächsten Arbeitsschritt kurz notieren.
- Klassenarbeiten und andere schulische Unterlagen am vorgesehenen, geschützten Platz verstauen.
- Maus, Tastatur, Stifte und Kabel gemeinsam wegräumen.
- Laptop schließen und an seinen festen Platz stellen.
- Den Tisch wieder für seine private Nutzung freimachen.
Wer jeden Gegenstand in einem anderen Raum verstauen muss, baut unnötig viele Zwischenschritte ein. Ein brauchbarer temporärer Arbeitsplatz sollte deshalb schnell arbeitsbereit sein und ebenso unkompliziert wieder aufhören, Arbeitsplatz zu sein.
Grenzen des Arbeitsplatzes am Esstisch
Auch ein sinnvoll organisierter Esstisch ersetzt kein separates Arbeitszimmer. Er löst weder zu hohe Arbeitslast noch fehlende Pausen oder ständige Erreichbarkeit.
Aus einzelnen Ergonomie-Hinweisen sollte außerdem kein Gesundheitsversprechen werden. Eine andere Bildschirmposition, mehr freie Fläche oder eine separate Maus können konkrete Arbeitsbedingungen verändern; Beschwerdefreiheit oder höhere Produktivität garantieren sie nicht. Wenn Schmerzen, Taubheitsgefühle oder andere Beschwerden wiederholt auftreten oder anhalten, sollte die Ursache fachlich abgeklärt werden.
Nicht jede Lehrkraft kann den häuslichen Arbeitsplatz frei gestalten. Wohnungsgröße, Familie, vorhandene Möbel und schulische Vorgaben setzen reale Grenzen. Ziel ist daher nicht der perfekte Aufbau, sondern eine Lösung, die zur eigenen Tätigkeit und Wohnsituation passt.
Der Esstisch bleibt Teil des Wohnraums
Wer kein eigenes Arbeitszimmer hat, braucht nicht zwangsläufig mehr Möbel. Für Papierarbeit zählen vor allem freie Fläche und eine klare Ablage. Bei längerer Bildschirmarbeit werden Bildschirmposition, Eingabegeräte und Licht wichtiger. Soll der Tisch nach Feierabend wieder privat genutzt werden, gehört auch das Verstauen zum System.
Der entscheidende Maßstab ist nicht, ob der Platz wie ein professionelles Büro aussieht. Er muss sich für die konkrete Aufgabe sinnvoll aufbauen lassen und danach ohne großen Aufwand wieder zum Esstisch werden.
Quellen
[1] GEW – Arbeitszeit und Unterrichtszeit (Stand: 10.02.2025). Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sowie Vorbereitung und Korrektur von Klassenarbeiten und Klausuren werden als Aufgaben neben dem Unterricht genannt. Quelle öffnen
[2] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) – Mobiles Arbeiten: Verschiedene Arbeitsorte – verschiedene Anforderungen. Hinweise zu Arbeitsfläche, Bildschirmaufstellung, Eingabegeräten, Tageslicht, Blendung und Reflexionen. Quelle öffnen
[3] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) – Mobiles Arbeiten: digitale Arbeitsmittel. Hinweise zur längeren stationären Notebook-Nutzung sowie zu separater Tastatur, Maus und größerem Zusatzdisplay. Quelle öffnen
Ergänzende fachliche Grundlage: DGUV Information 215-410 – Bildschirm- und Büroarbeitsplätze: Leitfaden für die Gestaltung. Quelle öffnen
Autorenprofil Jens Klabunde

Name
Jens Klabunde
Position und Expertise
Fachautor für Homeoffice-Ergonomie und Betreiber von Homeoffice Hero
Kurzprofil
Jens Klabunde beschäftigt sich mit funktionalen und bezahlbaren Arbeitsplätzen für Menschen, die zu Hause nicht über ein vollständig eingerichtetes Büro verfügen. Auf Homeoffice Hero veröffentlicht er eigene Praxistests, nachvollziehbare Entscheidungshilfen und Ratgeber, die zunächst vorhandene Möglichkeiten prüfen, bevor eine Anschaffung empfohlen wird.