
Sie haben viele Jahre mit Ihren Schülerinnen und Schülern verbracht, doch jetzt stehen die Abschlussprüfungen bevor. Nervosität macht sich breit, der Unterricht beinhaltet nicht mehr viel Neues, sondern fokussiert sich nur noch auf bereits erlerntes Wissen. Als Lehrkraft kennen Sie die Stärken und Schwächen einzelner Schülerinnen und Schüler. Sie haben es sich zum Ziel gemacht, eine möglichst hohe Erfolgsquote zu sichern. Doch wie unterstützen Sie Ihre Schulklasse optimal auf dem Weg zum Abschluss und welche Lehrformate sind jetzt sinnvoll?
Lernstoff vor den Prüfungen sinnvoll koordinieren
Eine Ihrer wichtigsten Aufgaben besteht vor den Abschlussprüfungen darin, den Lernstoff geordnet aufzubereiten. Für viele Schülerinnen und Schüler ist die Menge an Themen unübersichtlich und sie fühlen sich überfordert. Als Lehrkraft bringen Sie Ordnung rein, indem Sie gemeinsam mit Ihrer Klasse eine klare Struktur entwickeln.
Machen Sie die wichtigsten Themenblöcke noch einmal sichtbar. Thematische Wochen und strukturierte Lehrpläne helfen Ihnen, aber auch Ihren Schülerinnen und Schülern bei der Vorbereitung. Dabei sollten Sie sich auf prüfungsrelevante Inhalte fokussieren, denn das entlastet die Lernenden.
Bei komplexen Themenfeldern unterteilen Sie diese in kleine Einheiten. Widmen Sie einzelne Unterrichtsstunden nur einem einzelnen Unterthema, denn darauf können sich die jungen Menschen besser konzentrieren.
Sorgen Sie für realistische Prüfungstrainings vor dem großen Tag
Viele Schülerinnen und Schüler haben nicht nur vor dem Lehrstoff selbst Respekt, sondern vor allem vor der Prüfungssituation. Als Lehrkraft können Sie die Sorgen und Ängste nehmen, indem Sie die gängigen Prüfungsformate mit Ihrer Klasse trainieren.
Nutzen Sie alte Prüfungen von vorherigen Klassen und erklären Sie den Schülerinnen und Schülern, worauf es bei der Beantwortung ankommt.
Einerseits bekommen die Lernenden so ein realistisches Bild von dem, was bald ansteht und andererseits können sie am eigenen Zeitmanagement arbeiten.
Führen Sie solche Übungsphasen immer unter realistischen Prüfungsbedingungen durch. Die Bearbeitungszeit sollte realistisch sein, die Arbeitsatmosphäre ruhig und die Aufgabenstellung klar. Am Ende werten Sie mit Ihrer Klasse die Arbeiten gemeinsam aus. So erkennen Sie, aber auch Ihre Schülerinnen und Schüler, wo es noch Schwachpunkte gibt und welche Bereiche noch mehr Aufmerksamkeit benötigen.
So gehen Sie mit unterschiedlichen Leistungsständen um
In den meisten Abschlussklassen existiert ein deutliches Leistungsgefälle zwischen den Schülerinnen und Schülern. Während sich einige bereits gut vorbereitet fühlen, kämpfen andere mit grundlegenden Inhalten. In dieser Phase sind Sie als Lehrkraft dafür verantwortlich, differenzierte Aufgaben für den individuellen Bedarf bereitzustellen.
Während die leistungsstärkere Gruppe sich bereits auf die Rahmenbedingungen der Prüfung und auf komplexe Problemstellungen vorbereitet, braucht die leistungsschwächere Gruppe noch grundlegende Wiederholungen.
Tipp: Wir setzen in unseren Klassen auf Partnerarbeit, bei der die stärkeren Schülerinnen und Schüler die schwächeren Lernenden unterstützen. Das fördert beide Seiten, denn wer aktiv etwas erklärt, verinnerlicht den Stoff noch einmal ganz anders. Für Lernende ist es hingegen oft leichter, die Mitschülerinnen und Mitschüler um Rat zu fragen anstatt die Lehrkraft.
Zusätzlich empfehlen wir unseren Schülerinnen und Schülern gezielt ausgewählte Online-Hilfen zur Vertiefung des Unterrichtsstoffs. Dazu gehören beispielsweise Lernvideos auf Plattformen wie YouTube, die komplexe Themen anschaulich und Schritt für Schritt erklären. Ebenso weisen wir auf seriöse Online-Lektüreseiten hin, auf denen kostenfrei Inhaltsangaben, Figurenkonstellationen und Interpretationsansätze zu den Prüfungslektüren zur Verfügung stehen. Dabei ist es uns wichtig, gemeinsam zu besprechen, wie digitale Angebote sinnvoll genutzt und kritisch bewertet werden können. So lernen die Jugendlichen, Online-Ressourcen als unterstützendes Werkzeug einzusetzen, ohne sich ausschließlich darauf zu verlassen.
Die Prüfungslektüren 2026 in Baden-Württemberg:
- „Ein Schatten wie ein Leopard“ von Myron Levoy [Hauptschulprüfung]
- „Pampa Blues“ von Rolf Lappert [Hauptschulprüfung]
- „Der Markisenmann“ von Jan Weiler [Realschulschulprüfung]
- „Als die Welt uns gehörte“ von Liz Kessler [Realschulschulprüfung]
Vermitteln Sie Lernstrategien vor der Prüfung
Wir erleben es immer wieder, dass Jugendliche strategielos und spontan lernen. In der Abschlussphase ist es daher für uns unverzichtbar, über Lernmethoden zu sprechen. Ein Teil unseres Unterrichts besteht aus der Rubrik „Lernen lernen“.
In diesen Phasen zeigen wir unseren Klassen, wie sie mithilfe von Mindmaps und Karteikarten Inhalte besser verinnerlichen können. Auch technische Unterstützung erklären wir und ermöglichen den Schülerinnen und Schülern Zugang zum Internet und digitalen Programmen.
Wichtig ist uns außerdem die Erkennung von Fehlern, bevor Sie passieren. Viele junge Menschen verlieren in den Abschlussprüfungen Punkte, weil sie die Aufgabenstellung nicht genau erfassen oder ihre Lösungen nicht mehr nachkontrollieren. Wir simulieren daher immer wieder Prüfungssituationen, um zu erkennen, welche Schülerinnen und Schüler hier gefährdet sind und wie wir gegensteuern können.
Unterricht gegen die Angst vor Prüfungen
Fachliche Schwierigkeiten sind ein Bereich, den wir als Lehrkräfte mit dem richtigen Lehrplan beseitigen können. Ein ganz anderer Teil der Prüfungsvorbereitung bezieht sich auf die emotionale Situation. Wir erleben immer wieder Schülerinnen und Schüler, die nicht am Wissen, sondern an der Angst vor der Prüfungssituation scheitern. Vor allem mündliche Aufgabenstellungen bringen selbst die lernstärksten Jugendlichen ins Stocken und hier müssen wir gegensteuern.
Offene Gespräche über Nervosität und Prüfungsstress helfen unseren Schülerinnen und Schülern, sich zu zeigen und sich für ihre Sorgen nicht zu schämen. Wir zeigen immer wieder Erfolge und Meilensteine aus der Vergangenheit auf und bestätigen unsere Klassen in ihren Stärken.
Um die harte Phase des Lernens aufzulockern, integrieren wir in die letzten Wochen vor der Prüfung auch immer wieder Entlastungsmomente. Je nach Klasse kann das ein gemeinsames Pizzaessen sein oder eine Wanderung, bei der sich Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften austauschen und leichter über Sorgen und Befürchtungen vor der Prüfung sprechen. Wenn wir unsere Jugendlichen selbstbewusst und gestärkt in die heiße Phase schicken, haben wir emotional bereits gewonnen. Dann besteht unsere Kernaufgabe nur noch darin, wichtige von unwichtigen Themen abzuspalten und das Wissen kompakt und übersichtlich zu bündeln.